Wer ernsthaft glaubt, dass dies die Lösung für den Fachkräftemangel in der Pflege ist, hat entweder keine Ahnung oder verschließt bewusst die Augen vor den tatsächlichen Problemen. Diese Rückkehr zum alten Modell ist nichts anderes als ein billiger und gefährlicher Versuch, die Verantwortung für die Missstände in der Pflege in die falsche Richtung zu lenken.
Es wird oft behauptet, die Akademisierung der Pflegeberufe sei eine der Hauptursachen für den Fachkräftemangel.
Diese These ist nicht nur falsch, sondern auch gefährlich, weil sie das Problem in eine völlig falsche Richtung lenkt.
Der Fachkräftemangel in der Pflege hat ganz andere Ursachen, die zum überwiegenden Teil mit den aktuell herrschenden Arbeitsbedingungen zu tun haben. Die Pflegekräfte von heute haben viel zu viel Verantwortung bei viel zu wenig Ressourcen.
Die Akademisierung hat Pflegekräfte endlich ermächtigt, sich in einem hochkomplexen Bereich zu spezialisieren, ihre Expertise zu erweitern und auch ihre beruflichen Perspektiven zu verbessern. Zu glauben, dass weniger Bildung und Fachwissen die Lösung sind, ist nicht nur naiv, sondern eine ernsthafte Bedrohung für das Österreichische Gesundheitssystem.
Warum sollte man ein System, das mehr Fachwissen und besser qualifizierte Fachkräfte hervorbringt, wieder auf ein veraltetes Niveau zurücksetzen? Das "alte Ausbildungssystem" mag zu Zeiten des Mangelmanagements funktional gewesen sein, doch in der modernen, hochkomplexen Pflegewelt ist es schlichtweg unzureichend.
Die Pflege ist nicht mehr nur das Verabreichen von Medikamenten und das Helfen bei der Körperpflege. Sie hat sich zu einer interdisziplinären, hochdifferenzierten Arbeit, die tiefgehende Kenntnisse über Medizin, Psychologie, Pflegewissenschaften und Ethik erfordert, entwickelt.
Fachkräftemangel in der Pflege lässt sich nicht einfach mit "zu viel Akademisierung" erklären. Wer das sagt, übersieht die realen Ursachen oder möchte von ihnen ablenken:
Die akademische Ausbildung hat den Pflegeberuf auf ein neues Niveau gehoben. Sie fördert die Eigenverantwortung, die Forschungskompetenz und die Führungskompetenz von Pflegekräften. Wer jetzt versucht, diese Entwicklung rückgängig zu machen, handelt nicht nur kurzsichtig, sondern schadet der gesamten Branche. Pflegekräfte sind heute nicht nur Facharbeiter, sondern Experten auf ihrem Gebiet, die die Qualität der Versorgung nachhaltig verbessern.
Die Rückkehr zum "alten Ausbildungssystem" ist eine Farce, die versucht, die tiefen strukturellen und organisatorischen Probleme der Pflege mit simplen, aber völlig falschen Lösungen zu verschleiern.
Wer den Fachkräftemangel in der Pflege wirklich lösen möchte, muss an den wahren Ursachen ansetzen: bessere Arbeitsbedingungen und eine nachhaltige Verbesserung der beruflichen Wertschätzung.
Die akademische Ausbildung hat dem Pflegeberuf nichts anderes als positive Impulse gegeben und ist kein Hindernis für die Zukunft der Pflege, sondern ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung. Jeder Versuch, diese Entwicklung rückgängig zu machen, ist nichts anderes als ein gefährlicher Rückschritt, der das ohnehin schon marode System weiter destabilisieren würde.