Dieser Denkfehler beschreibt die Tendenz, an einer einmal getroffenen Entscheidung festzuhalten, weil bereits Ressourcen (in diesem Fall Aufmerksamkeit, Gewohnheit und Bekanntheit) investiert wurden – selbst wenn die Entscheidung nachweislich negative Folgen hat.
Die Gleichsetzung von Pflege mit Alltagshilfe führt zu falschen Erwartungen seitens der Bevölkerung. Viele Menschen glauben, dass Alltagshilfen dieselben Kompetenzen und Verantwortlichkeiten wie die ausgebildete Diplom-Pflege oder Pflege(fach)assistenz haben.Dies birgt das Risiko, dass bei komplexen Gesundheitsfragen nicht die benötigte Fachkompetenz herangezogen wird, was zu Fehlbehandlungen und potenziellen Gefahren für die Patienten führt.
Wird Pflege in den Medien auf reine Alltagshilfe reduziert, wird der Eindruck vermittelt, dass diese anspruchsvolle Tätigkeit keine besonderen Qualifikationen erfordert.Dies schadet dem Ansehen der ausgebildeten Pflege und führt langfristig zu einer Abwertung des gesamten Berufsstands – sowohl finanziell als auch gesellschaftlich. Die Attraktivität, in diesem Beruf zu arbeiten, sinkt.
Der ORF toleriert hier nicht nur eine mögliche Gefährdung pflegebedürftiger Menschen, er spielt somit auch eine Rolle beim Fachkräftemangel in der professionellen Pflege.
Der ORF könnte natürlich argumentieren, dass man den Interessen der Zuschauer Rechnung tragen und sich an deren Gewohnheiten orientieren müsse.
Tatsächlich hat sich die breite Öffentlichkeit an die vereinfachte Begrifflichkeit gewöhnt, was dem ORF den Anreiz gibt, an dieser Darstellung festzuhalten.
Doch dieser Ansatz verkennt die Verantwortung öffentlich rechtlicher Medien als Vermittler von Informationen.
Sie tragen die Pflicht, sachlich zu berichten und Missverständnisse aufzuklären – auch wenn dies bedeutet, bestehende Narrative zu hinterfragen.
Der ORF muss diesen Fehler erkennen und aus Verantwortung gegenüber der Gesellschaft korrigieren.
Die Zuschauer sind lernfähig. Wenn die Medien gut aufbereitete, verständliche Erklärungen liefern, wird die Akzeptanz für eine präzisere Terminologie steigen.
Es ist daher nicht nur möglich, sondern auch dringend erforderlich, aus dem Kreislauf der Sunk Cost Fallacy auszubrechen und für eine sachlichere und verantwortungsvollere Berichterstattung zu sorgen.